Zustand von Pokémon-Karten: Near Mint, Excellent, Light Played & Co.
Ungegradete Karten werden nach Zustandsstufen verkauft, doch Cardmarket, TCGplayer und eBay meinen mit ähnlichen Namen nicht dasselbe, und der Zustand verschiebt den Preis um bis zu zwei Drittel.
Eine ungegradete Karte, auch „raw“ genannt, hat keine Note von PSA, CGC oder einem anderen Grader. Ihr Zustand ist nur eine Angabe des Verkäufers. Dafür gibt es Stufen mit englischen Namen. Eine einheitliche Norm gibt es nicht: Jeder Marktplatz legt seine Stufen selbst fest, und die Grenzen liegen unterschiedlich.
Cardmarket nutzt sieben Stufen: Mint, Near Mint, Excellent, Good, Light Played, Played und Poor. Mint ist perfekt, wie frisch aus dem Booster. Near Mint sieht aus, als sei die Karte nie ohne Hülle gespielt worden: wenige, sehr kleine weiße Stellen am Rand sind erlaubt, Kratzer nie. Excellent zeigt auf den ersten Blick kleine Mängel, etwa weiße Ecken. Good ist deutlich abgenutzt, aber ohne Knicke und Wasserschaden. Light Played ist stark abgenutzt, in einer Hülle aber noch turnierfähig. Played ist so abgenutzt, wie es durch Spielen überhaupt geht. Poor ist zerstört oder verändert, etwa bemalt oder beschrieben. Eine Karte mit Kratzern ist bei Cardmarket höchstens Good.
Der US-Marktplatz TCGplayer hat fünf Stufen: Near Mint, Lightly Played, Moderately Played, Heavily Played und Damaged. Mint wird dort gar nicht gehandelt. TCGplayer misst Mängel in Millimetern. Abrieb an der Kante bis 20 mm am Stück ist bei Near Mint noch erlaubt. Ist die Farbe so weit abgerieben, dass der Karton durchscheint, ist Near Mint vorbei. Ein Knick mit sichtbarer Falte bedeutet höchstens Moderately Played. Damaged ist alles, was die Karte selbst beschädigt: Risse, gespaltene Ecken, Flüssigkeit, Stempel, Unterschriften oder eine Zentrierung schlechter als 70/30.
Die Namen klingen ähnlich, meinen aber Verschiedenes. Light Played bei Cardmarket ist die fünfte von sieben Stufen. Lightly Played bei TCGplayer ist die zweite von fünf und entspricht etwa Excellent. Cardmarket warnt selbst vor der Verwechslung. Als Faustregel gilt: Near Mint entspricht Near Mint, Excellent entspricht Lightly Played, Good entspricht Moderately Played, Played entspricht Heavily Played und Poor entspricht Damaged. Light Played liegt dazwischen und hat keine saubere Entsprechung. Ganz genau passt keine Zuordnung, weil die Maßstäbe abweichen: Kratzer etwa bewertet Cardmarket viel strenger als TCGplayer.
Bei eBay wählt der Verkäufer seit Ende 2023 zwischen „Bewertet“ und „Nicht bewertet“. Für ungegradete Sammelkartenspiel-Karten gibt es vier Stufen: Near Mint or Better, Lightly Played (Excellent), Moderately Played (Very Good) und Heavily Played (Poor). Eine eigene Stufe für beschädigte Karten fehlt. Das „Poor“ in Klammern ist also nicht dasselbe wie Poor bei Cardmarket. eBay prüft die Angabe nicht, und viele Angebote nennen gar keinen Zustand.
Typische Mängel sind weiße Stellen an Kanten und Ecken (Whitening), Kratzer und matte Schleier auf der Holo-Fläche, Dellen und Eindrücke, Biegungen, Knicke mit Falte, Wasserschäden und Verfärbungen. Druckfehler wie Linien oder eine schiefe Zentrierung sind kein Abrieb. Cardmarket zählt sie nicht zum Zustand, TCGplayer schon, je nach Größe. Weiße Stellen sieht man auf der dunkelblauen Rückseite am besten, deshalb gehört zu jedem Angebot ein Foto der Rückseite.
Der Zustand bewegt den Preis stark. Ein Beispiel aus den eBay-Verkäufen bei Last Sold: Das englische Glurak aus dem Base Set (4/102, ungegradet) brachte von Mai bis Oktober 2026 im Median 514 € in Near Mint, 375 € in Lightly Played, 307 € in Moderately Played, 220 € in Heavily Played und 182 € als Damaged. Lightly Played kostete also gut ein Viertel weniger, Damaged rund zwei Drittel weniger. Über alle Karten gemessen ist das Bild ähnlich. Weil die Stufe nur eine Selbstauskunft ist, lohnt bei teuren Karten der Blick auf scharfe Fotos von Vorder- und Rückseite.
Quellen
- Cardmarket Hilfe: Kartenzustand
- Cardmarket Help: Card Condition
- TCGplayer: Card Conditioning Overview
- TCGplayer: Understanding Card Condition Imperfections
- eBay Seller Center: Selling trading cards
- eBay Verkäuferportal: Sammelkarten
- eBay Developers: Condition Descriptor IDs for Trading Cards
- Last Sold: Glurak (Base Set 4/102)
Weitere Einträge
- Secret Rares der EX-Ära: 19 Karten über der SetgrößeElf englische EX-Sets aus den Jahren 2003 bis 2007 haben zusammen 19 Secret Rares, also Karten mit einer Nummer über der Setgröße wie 100/97. Zehn davon lagen als Box Topper obenauf im Display, die übrigen neun gab es nach heutigem Wissen in Boostern.
- Rotwangen-Pikachu: Warum das Base-Set-Pikachu zweimal existiertDas Pikachu 58/102 gibt es mit roten und mit gelben Backen. Rot kommt nur in den ersten englischen Drucken vor und kostet als PSA 10 ein Vielfaches.
- 1st Edition erkennen: Stempel, Sets und FälschungenEine 1st-Edition-Karte stammt aus dem ersten Druck eines Sets und trägt links unter dem Bild einen schwarzen Stempel mit der „1“, den es nur bei zehn englischen Wizards-Sets und einigen Übersetzungen gab.
- Grading erklärt: PSA, BGS, CGC & Co.Ein Grader prüft eine Karte auf Echtheit, benotet ihren Zustand und versiegelt sie. Eine 10 ist bei jedem Anbieter etwas anderes, und sie ist oft ein Vielfaches der ungegradeten Karte wert.
- So liest man eine Pokémon-Karte: Nummer, Set-Symbol, Holo, Reverse HoloDie unterste Zeile verrät Set, Nummer, Seltenheit und Turnier-Status, der Glanz verrät die Fassung.
- Seltenheitssymbole erklärt: vom Kreis bis zum Mega-FunkelsternUnten auf jeder Karte steht ihre Seltenheit. Was das Zeichen bedeutet, hängt von der Ära ab, und japanische Karten drucken Buchstaben statt Symbolen.